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Zinswende mit Folgen: Divergenz der Geldpolitik stellt Investoren vor neue Herausforderungen

Nach den jüngsten Entscheidungen grosser Zentralbanken zeigt sich das globale geldpolitische Umfeld zunehmend fragmentiert. In diesem Kontext wachsender Divergenz spiegeln geldpolitische Entscheidungen nicht nur die spezifischen wirtschaftlichen Bedingungen der jeweiligen Regionen wider, sondern tragen auch zu einer zunehmenden Komplexität für globale Investoren bei. Die Auswirkungen sind erheblich – für Portfolios, für Risikomanagementstrategien und für die Rolle alternativer Anlagen wie Bitcoin, der zunehmend als potenzieller «sicherer Hafen» wahrgenommen wird.

 

Adrian Fritz
Global Head of Research, 21Shares                                         

 

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihre lockere Haltung bekräftigt und sich für eine Nullzinspolitik entschieden, während die US-Notenbank (Federal Reserve) die Zinsen unverändert lässt, jedoch grössere Zurückhaltung bei möglichen Zinssenkungen vor Jahresende signalisiert. In Europa hat die Europäische Zentralbank (EZB) einen geldpolitischen Lockerungszyklus eingeleitet und ihre erste Zinssenkung seit Beginn der Pandemie angekündigt – als Reaktion auf die nachlassende Inflation im Euroraum. In Japan wiederum hält die Bank of Japan (BOJ) trotz zunehmendem Preisdruck an ihrer ultralockeren Geldpolitik fest.

Die Kombination aus auseinanderlaufenden geldpolitischen Strategien, anhaltender Inflationsunsicherheit und neuen geopolitischen Spannungen hat das Interesse an realen Vermögenswerten neu entfacht, die weniger stark mit traditionellen Märkten korrelieren. Besonders Bitcoin entwickelt sich – dank seiner dezentralen Struktur, der eingebauten Knappheit und der zunehmenden Zugänglichkeit über regulierte Anlageinstrumente – zu einer alternativen Lösung in Portfolios, die Schutz vor makroökonomischer Instabilität suchen.

In einem solchen Umfeld werden jegliche Formen von Liquiditätszuflüssen an den Märkten tendenziell positiv aufgenommen – insbesondere von risikobehafteten Anlageklassen wie Kryptowährungen. Diese Märkte reagieren äusserst sensibel auf Veränderungen der Liquiditätsbedingungen. Besonders Bitcoin hat eine auffallend starke Korrelation mit der globalen M2-Geldmenge gezeigt. Historisch gesehen hinkt der Bitcoin den Veränderungen der globalen Liquidität um mehrere Wochen hinterher. Sobald die Geldmengen wieder wachsen, fungiert Bitcoin oft als „Liquiditätsschwamm“ und reagiert schneller und stärker als viele traditionelle Anlageklassen. Dieses Verhalten stützt die Einschätzung, dass Investoren Bitcoin zunehmend als Absicherung gegen zukünftige Währungsabwertungen betrachten. Seine Knappheit in Kombination mit hoher Liquidität macht Bitcoin besonders attraktiv in einer Welt, in der Inflations- und Verwässerungsängste weiter bestehen.

Abbildung 1 – 12-wöchig nachlaufender Bitcoin-Preis im Vergleich zur globalen M2-Geldmenge

Quelle: 21Shares, BGeometrics. Daten vom 1. Januar 2015 bis 9. Mai 2025.

 

Diese Bedenken sind besonders relevant vor dem Hintergrund einer sich wandelnden makroökonomischen Ordnung. Im ersten Halbjahr 2025 haben sich die Spannungen rund um einen eskalierenden globalen Handelskrieg weiter zugespitzt. Diese Situation hat Ängste vor zukünftigen Preissteigerungen geschürt – verursacht durch steigende Produktions- und Logistikkosten. Gleichzeitig hat der Handelskonflikt zu einem stärker fragmentierten globalen Umfeld geführt, in dem Vertrauen neu bewertet und geopolitische Allianzen zunehmend infrage gestellt werden. Infolgedessen verzeichnen traditionelle «sichere Häfen» wie Gold verstärkte Zuflüsse, während langfristige US-Staatsanleihenrenditen – insbesondere die 30-jährigen – auf historische Höchststände steigen. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich auch in anderen Regionen, etwa in Japan, wo die Schuldenmärkte unter Druck geraten sind. Weltweit tendieren Regierungen ausserdem zu expansiveren fiskalpolitischen Massnahmen.

Abbildung 2: Gold vs. US-Staatsanleihen mit langer Laufzeit vs. US-Dollar

Quelle: 21Shares, Bloomberg. Daten vom 29. April 2015 bis 28. April 2025.

 

In dieser Phase zunehmender Unsicherheit gewinnen reale, „harte“ Vermögenswerte an Attraktivität. Gold verzeichnet weiterhin starke Nachfrage – doch auch Bitcoin erlebt zunehmende institutionelle und staatliche Aufmerksamkeit. Besonders bemerkenswert ist der Anstieg der Unternehmensnachfrage nach Bitcoin, die mittlerweile das Angebot deutlich übersteigt. Allein im vergangenen Jahr haben Unternehmen Bitcoin mit fast dem Dreifachen der Geschwindigkeit akkumuliert, mit der neue Einheiten geschürft werden. Dieses Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage schafft ein vorteilhaftes Preisumfeld. Unternehmen interessieren sich nicht nur für die Knappheit von Bitcoin, sondern auch für seine Neutralität und den strategischen Nutzen als bilanzielle Reserveposition.

Abbildung 3: Gold-ETF-Zuflüsse vs. Goldpreis

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Quelle: 21Shares, Bloomberg. Daten vom 1. Januar 2025 bis 9. Mai 2025.

 

Möglicherweise stehen wir an der Schwelle zu einer neuen Ära strategischer Bitcoin-Akkumulation. Frühe Vorreiter wie El Salvador haben erste Schritte unternommen, andere Länder haben Bitcoin im Zuge von Strafverfolgungsmassnahmen oder Beschlagnahmungen erhalten. Mittlerweile verabschieden mehrere US-Bundesstaaten Gesetzesentwürfe, um Bitcoin als offizielle Reserve in ihre Finanzstrategie zu integrieren. Angesichts steigender Schuldenlasten und zunehmend instabiler Anleihenmärkte könnten weitere Länder diesem Beispiel folgen und Bitcoin als Wertspeicher und monetäre Absicherung nutzen.

Abbildung 4: Bitcoin-Unternehmensakquisitionen vs. neu emittiertes Bitcoin-Angebot

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Quelle: 21Shares, Bitcointreasuries, Glassnode. Daten vom 10. Mai 2024 bis 9. Mai 2025.

 

Kurzfristige Liquiditätsschübe werden zweifellos positiv auf Kryptomärkte wirken – doch die weitaus bedeutendere Entwicklung liegt im Hintergrund: eine fragmentierte, von Misstrauen, Inflationsangst und fiskalischer Expansion geprägte globale Makrolandschaft. In dieser Welt gewinnen Vermögenswerte, die zensurresistent, grenzüberschreitend, knapp und transparent sind – wie Bitcoin – zunehmend an Bedeutung. Sie gelten als asymmetrische Wette gegen langfristige monetäre Instabilität.

 

 

Biografie

Adrian Fritz is the Head of Research at 21Shares, producing macro-market commentaries and data-driven insight with a focus on the crypto asset industry. Adrian completed a master's degree at HULT International Business School in San Francisco and began his career as a stock broker in New York. Prior to joining the crypto industry, he worked in traditional finance for many years including management consulting, corporate finance and investment banking.

 

 

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