Quantitative Anlagestrategien (QIS): Ein intelligenter, systematischer Investmentansatz
Dieser Artikel beleuchtet Ursprung, Vorteile und zunehmende Bedeutung von QIS – von Transparenz und Governance bis hin zur Rolle künstlicher Intelligenz.
![]() | Robert Roe, CFA Executive Director, Quantitative Investment Strategies, Leonteq |
Was sind QIS?
QIS sind regelbasierte Konstrukte, die den Kauf oder Verkauf von Finanzanlagen anhand mathematischer Signale und/oder Zeitpunkte steuern. Ihre Entwicklung basiert auf empirischen Daten und wirtschaftlicher Fundamentalanalyse.
Sind QIS ein neuer Trend oder gibt es sie schon länger?
QIS sind nichts Neues. 1952 stellte Markowitz die moderne Portfoliotheorie und die Vorteile der Diversifizierung vor. Später entwickelte Sharpe das Kapitalmarktmodell. Diese Fortschritte in Verbindung mit zunehmender Rechenleistung ermöglichten es „Quants“, Algorithmen und Modelle zu entwickeln. In den 1980er Jahren machten Hedgefonds QIS populär, allerdings mit hohen Gebühren und begrenzter Transparenz. Die globale Finanzkrise hat die Investmentlandschaft in vielerlei Hinsicht verändert, wobei sich die Nachfrage von hochgebührenpflichtigen Hedgefonds zu transparenteren Strategien verlagert hat. Investmentbanken reagierten mit der Einführung investierbarer Indizes auf Grundlage transparenter Methodologien, was zeitlich mit dem Aufschwung passiver ETF-Anlagen zusammenfiel.
Warum sind QIS für Portfolio-Manager interessant?
Genauso wie strukturierte Produkte auf Basiswerte wie Aktien viele Möglichkeiten zur Individualisierung bieten, sind QIS flexibel und können an bestimmte Markteinschätzungen angepasst werden. Durch die Kombination dieser beiden Ebenen bieten QIS-basierte Produkte zusätzliche Vorteile, da sie ein massgeschneidertes Engagement in einem bestimmten Markt, einer bestimmten Region oder sogar Arbitragemöglichkeiten zu einem festen Preis ermöglichen.
Was sind Vor- und Nachteile von QIS aus Sicht von Emittenten und Investoren?
QIS können gezielt Risiken steuern. Ein Beispiel: Bei steigender Volatilität reduziert ein integrierter Voltarget - Mechanismus automatisch das Risiko (Deleveraging) und erhöht es wieder bei Beruhigung des Marktes (Releveraging). So bleibt die Volatilität der Strategie konstant, was Preisstabilität für Investor und Emittent schafft. Die Komplexität von QIS kann variieren, doch sie verfolgen stets das Ziel, Anlegern folgende Vorteile zu bieten:
- Reduktion von Volatilität und Drawdowns zur Outperformance über mittlere bis längere Zeiträume
- Nutzung systematischer Marktchancen
QIS sind in der Regel etwas teurer als passive Investments.
Was sind die Grundlagen eines Indexgeschäfts?
Bei Leonteq konzentrieren wir uns auf Robustheit, Skalierbarkeit, Flexibilität, Transparenz und eine effektive Governance, um unseren Anlegern auf transparente und flexible Weise ein attraktives Angebot zu bieten. Wir möchten Anlegern Zugang zu einem fundierten und transparenten Angebot verschaffen, das auf klaren Zielen und einer konsequenten Umsetzung basiert. Gleichzeitig wollen wir ein nachhaltiges Geschäft aufbauen, das nur begrenzte, gezielte Investitionen erfordert und unserem Unternehmen und unseren Aktionären zugutekommt.
Was bedeutet „Robustheit“ bei Leonteq konkret?
Vor der Lancierung eines Index prüft Leonteq dessen Struktur umfassend – u. a. in Bezug auf Risiko, Methodologie, Verträge und Governance. Die entscheidende Validierung übernimmt das Model Validation Team: Es stellt sicher, dass Regelwerk, Indexaufbau und Risikosystem konsistent sind und neue QIS-Modelle korrekt funktionieren. Nach der Einführung durchläuft jede Berechnung mehrere Validierungsebenen, um die Zuverlässigkeit der Marktdaten sicherzustellen.
Was beinhaltet die Modellvalidierung?
Analog zur Validierung von Bewertungs- und Hedgingmodellen erfolgt eine Prüfung von Konzeption, Umsetzung und Modellqualität. Das Design muss nachvollziehbar, fachlich fundiert und im Einklang mit Marktstandards und Forschung sein. Für QIS wurde eigens ein spezifischer Validierungsprozess entwickelt. Ein zentraler Bestandteil ist die Prüfung der Übereinstimmung mit dem Regelwerk, die durch die Abteilung Structuring & Trading erfolgt. Abschliessend erstellt das Risk Control Team ein Dokument, das die Validierungsergebnisse zusammenfasst und untermauert.
Sie haben vorhin von einer effektiven Governance gesprochen. Können Sie erläutern, was damit gemeint ist?
Leonteq hat ein dauerhaftes, interdisziplinäres Approval Committee eingerichtet, das alle Aspekte der Bereitstellung von QIS im Einklang mit der EU-Verordnung 2016/1011 (BMR) überwacht. Dieses Gremium stellt sicher, dass Entscheidungen nicht einseitig getroffen werden und stets den regelbasierten Methodologien der jeweiligen Indizes entsprechen.
Welche Risiken bestehen aus Handelsperspektive?
QIS sind auf umfangreiche historische und Echtzeitdaten angewiesen. Fehlerhafte, unvollständige oder verzögerte Daten können zu fehlerhaften Ausführungen führen. Hinzu kommt ein Execution Risk durch Systemfehler oder Verzögerungen bei der Orderausführung.
Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz (KI)?
KI – insbesondere Algorithmen des Machine Learning – können Datenmuster effizient analysieren. Dies verkürzt die Markteinführungszeit neuer Indizes, indem Validierungsprozesse beschleunigt werden. KI kann auch das Risikomanagement verbessern, etwa bei Volatilität, Liquidität oder Korrelationen. Allerdings ist KI nur so gut wie die zugrunde liegenden Daten. Überfitting, mangelnde Modelltransparenz und regulatorische Fragen bleiben Herausforderungen. KI wird in Zukunft wahrscheinlich eine dominante Rolle in QIS spielen, aber Herausforderungen wie Datenqualität, Interpretierbarkeit von Modellen und regulatorische Fragen bleiben bestehen.
Biografie
Robert Roe ist Spezialist für strukturierte Produkte mit Fokus auf quantitative Anlagestrategien und hat rund 16 Jahren Erfahrung an den Finanzmärkten. Bei Leonteq verantwortet er die Weiterentwicklung der QIS-Plattform, deren investierbare Indizes als Basiswerte für strukturierte Produkte dienen.
