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Year Ahead 2026 – Schwerkraft überwunden?

Auch 2025 wurden die Märkte von Innovationen angetrieben. Aber zum ersten Mal seit Jahren entwickelten sich europäische und asiatische Aktien besser als US-Titel. In vielen Ländern sanken die Zinsen – wobei jene in der Schweiz sogar auf null zurückkehrten – und Gold erreichte neue Höchststände. Mit Blick auf das Jahr 2026 stehen Anlegerinnen und Anleger vor einigen grundsätzlichen Fragen: Wird die technologische Innovation im Zusammenhang mit der künstlichen Intelligenz (KI) ausreichen, dass die Märkte weiter steigen können, oder sogar eine neue Ära des volkswirtschaftlichen Wachstums einläuten?  Oder werden technologische Enttäuschungen, die hartnäckige Inflation in den USA und steigende Schulden die Märkte nach unten ziehen?

Mark Haefele 
Chief Investment Officer,
Global Wealth Management, Zürich, UBS                                           
Michael Bolliger  
Chief Investment Officer Switzerland and Global Emerging Markets,
UBS Global Wealth Management 

 

Ausblick für 2026

Die rasante Entwicklung im Bereich der künstlichen Intelligenz war für die Marktgewinne der letzten Jahre die treibende Kraft. Trotz Unsicherheiten gehen wir davon aus, dass sich diese Dynamik 2026 fortsetzen kann. Die nächste Nachfragewelle wird unseres Erachtens von agentenbasierter KI (also von intelligenten KI-Agenten, die diverse Aufgaben und Tätigkeiten erfolgreich übernehmen) und physischer KI (also die Kombination von KI und Maschine, etwas im Bereich Robotik und autonome Fahrzeuge) ausgehen.

Der langfristige Erfolg hängt von den Renditen ab, die mit diesen Investitionen generiert werden. Wenn KI ein Drittel der weltweiten Arbeit automatisiert und die Anbieter 10 Prozent des daraus resultierenden Werts erhalten – Zahlen, die unserer Meinung nach technologischen Transformationsphasen in der Vergangenheit entsprechen –, könnte der KI-generierte Jahresumsatz 1,5 Bio. US-Dollar erreichen. Die Monetarisierung liegt zwar derzeit hinter den Investitionen zurück. Die Vergangenheit hat jedoch gezeigt, dass neue Technologien häufig schnell wachsen und die Gewinne in der Regel erst später folgen. Im Augenblick ist darum die zunehmende Verbreitung von KI-basierten Anwendungen wichtiger als die Monetarisierung; und hier sehen wir, dass die Verbreitung weiter zunimmt. Dies untermauert unsere Überzeugung vom langfristigen Potenzial der KI. Generell erwarten wir, dass globale Aktien bis Ende 2026 um rund 15 Prozent steigen. Die USA bleiben der zentrale Motor für globale Aktien und wir prognostizieren, dass der S&P 500 bis zum Ende des Jahres auf 7700 Punkte steigt. Eine Leitzinssenkung der US-Notenbank Fed dürfte zusätzlich für Aufwind sorgen. Ausserhalb der USA erkennen wir attraktive Chancen in Asien und Europa. KI-Innovation und -Investitionen treiben ein kräftiges Wachstum im Technologiesektor Chinas an, wo die Gewinne nach unseren Schätzungen 2026 um 37 Prozent steigen dürften. Ausserdem bevorzugen wir europäische Aktien, wo wir mit einer Beschleunigung des Gewinnwachstums auf 7 Prozent im Jahr 2026 und 18 Prozent im Jahr 2027 rechnen.

Das allgemeine wirtschaftliche Umfeld dürfte für Aktien ebenfalls vorteilhaft bleiben. In den USA dürften die Konsumausgaben unserer Meinung nach trotz des schwächeren Arbeitsmarktes robust bleiben. Die Fed wird unseres Erachtens bis zum Ende des 1. Quartals zwei weitere Zinssenkungen beschliessen und damit den Arbeitsmarkt unterstützen, während der Anstieg der Inflation temporär sein dürfte und im 2. Quartal den Höhepunkt erreichen sollte. Wir prognostizieren ein Wachstum von knapp 2 Prozent im Jahr 2026. In Europa ist die Stimmung noch immer vorsichtig und die Sparquoten bleiben hoch. Doch die steigenden Realeinkommen und ein starker Arbeitsmarkt dürften die Nachfrage unterstützen. Zudem dürften die Fiskalausgaben steigen. Die Gesamtinflation wird 2026 wahrscheinlich unter das Ziel sinken, während sich das Wachstum ebenfalls nahe am Trend halten dürfte.

Die wachsende Verschuldung dürfte jedoch auch 2026 eine Herausforderung bleiben. Prognosen zufolge wird die Bruttostaatsverschuldung der G7-Volkswirtschaften bis 2030 rund 137 Prozent des BIP erreichen und bisher erwies es sich als schwierig, die Defizite zu reduzieren. Daher könnten die politischen Entscheidungsträger eher zu einer «finanziellen Repression» tendieren – also mit den Zentralbanken zusammenarbeiten, um die Zinssätze niedrig zu halten. Niedrigere Zinsen dürften indes Staatsanleihen unterstützen, da sinkende Realrenditen gewöhnlich die Anleihenkurse in die Höhe treiben. Im politischen Bereich werden wir die Entwicklungen der Handelspolitik, den Führungswechsel bei der Fed und die Zwischenwahlen in den USA im Auge behalten. Die bedeutendsten Risiken für Anleger sind mögliche Enttäuschungen bei den Fortschritten der KI oder ihrer Verbreitung, eine anhaltende Inflation, eine Zuspitzung der Spannungen zwischen den USA und China sowie erneute Bedenken wegen der Verschuldung.

 

Was ist mit der Schweiz?

Wir erwarten, dass die Schweizer Wirtschaft 2026 mit einer relativ stabilen Wachstumsrate von rund 1 Prozent wächst. Das Wachstum dürfte durch die Binnenwirtschaft unterstützt werden. Vom Aussenhandel sind kaum wesentliche Impulse zu erwarten. Die Abwärtsrisiken für die Schweizer Wirtschaft im Jahr 2026 haben sich durch das Abkommen zwischen der Schweiz und den USA verringert. Die Inflation dürfte im nächsten Jahr auf einem niedrigen Niveau von rund 0,5 Prozent verharren. Wir erwarten, dass die niedrigeren Strompreise und der sinkende Referenzzins die Konsumentenpreise dämpfen werden. Zugleich rechnen wir 2026 aber auch mit einem Anstieg der Nominallöhne um 1 Prozent, was die potenziellen Deflationsrisiken begrenzen dürfte.

Angesichts der niedrigen Inflation und des voraussichtlich unterdurchschnittlichen Wachstums der Schweizer Wirtschaft ist anzunehmen, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Leitzins 2026 unverändert lässt. Eine Zinssenkung in den negativen Bereich wäre nur bei einer wesentlichen Verschlechterung der Aussichten gerechtfertigt. Doch das Handelsabkommen mit den USA verringert das Risiko eines solchen Szenarios. Solange die SNB ihre Nullzinspolitik fortsetzt, prognostizieren wir, dass die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen niedrig bleiben werden. Wir gehen nur von einem leichten Anstieg auf 0,5 Prozent in den nächsten zwölf Monaten aus.

Mit Blick auf den Euro rechnen wir mit einem leicht schwächeren Schweizer Franken, sobald die Märkte Anzeichen einer bevorstehenden Erholung des Wachstums in der Eurozone erkennen. Für das Währungspaar USDCHF prognostizieren wir einen Seitwärtstrend in den kommenden zwölf Monaten, da die Fed ihren Zinssenkungszyklus in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres beenden dürfte.

 

Was bedeutet das für Anleger?

Um die Entwicklungen des kommenden Jahres zu meistern, sollten sich die Anleger darauf konzentrieren, einen klaren Plan zu erarbeiten und ein gut diversifiziertes Kernportfolio aufzubauen. Dies beinhaltet eine ausreichende Allokation in Aktien – insbesondere in strukturellen Wachstumsthemen wie KI oder Energie und Ressourcen sowie den Opportunitäten rund um die Langlebigkeit. Daneben sollte das Portfolio auch diversifizierte Ertragsströme beinhalten, zum Beispiel aus Aktienertragsstrategien oder hochwertigen Dividendenaktien. In Regionen mit niedrigen Zinsen, allen voran in der Schweiz, ist dies von zentraler Bedeutung.

Gold und alternative Anlagen können die Diversifikation weiter verbessern. Anleger müssen allerdings auf die spezifischen Risiken alternativer Anlagen achten, wie Illiquidität und geringere Transparenz. Absicherungsmassnahmen, auch durch Kapitalerhaltungsstrategien, können das Kernportfolio zusätzlich schützen, da sie das Verlustrisiko begrenzen, während sie eine Partizipation am Aufwärtspotenzial ermöglichen. Dadurch sind Anleger unseres Erachtens gut aufgestellt, um zusätzliche Wachstumschancen in verschiedenen Themen, Sektoren und Anlageklassen an öffentlichen und Privatmärkten zu verfolgen.

 

 

Biografien

Mark Haefele kam 2011 als Head of Investment für das Chief Investment Office von Wealth Management zu UBS. Seit 2014 ist er Global Chief Investment Officer von UBS und beaufsichtigt die Anlagepolitik und -strategie von rund USD 4,2 Billionen an verwalteten Vermögen. Als ehemaliger Dozent und amtierender Dekan an der Harvard University hat Mark über 500.000 Follower auf LinkedIn.

Michael Bolliger ist Chief Investment Officer (CIO) für die Schweiz und für globale Schwellenmärkte bei UBS Global Wealth Management. Als CIO für die Schweiz verantwortet Michael mit seinem Team die UBS House View für den Schweizer Markt und die Asset Allokation für Schweizer Portfolios. Vor seiner Tätigkeit bei UBS war Michael Ökonom bei der Schweizerischen Nationalbank in Zürich und bei der spanischen Zentralbank in Madrid. Er promovierte in Wirtschaftswissenschaften an der Universität Basel.