Attraktive Anlagemöglichkeiten in Private Debt
Erhöhte Zinsen und Volatilität an den Anleihemärkten setzen selbst Anlegerinnen und Anleger mit langem Anlagehorizont unter Druck. Das stellt sie vor ein Dilemma: Wo können sie angemessene Renditen und einen gewissen Schutz vor den Launen öffentlicher Märkte erzielen? Die LGT Bank gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.
![]() | Oyvin Furustol Team Head Portfolio Advisory Asset Class Specialists, LGT Bank (Schweiz) AG |
Was ist Private Debt?
Anleihen, die nicht an einem öffentlichen Markt gehandelt werden, werden auch als Private Debt bezeichnet und stellen Kapital für Unternehmen in Privatbesitz bereit. Die meisten Unternehmen nehmen Schulden auf, um ihre Geschäftstätigkeit zu finanzieren und ihr Wachstum voranzutreiben. Dieses Fremdkapital kann durch eine Anleiheemission oder einen Bankkredit aufgenommen werden, aber der Zugang zu diesen Kapitalquellen ist in den letzten Jahren zurückgegangen. Für kleine und mittlere Unternehmen sind privat ausgegebene Schuldtitel zu einer wichtigen Finanzierungsquelle geworden - und damit auch zu einer wachsenden Anlageklasse für Investoren. Der globale Private-Debt-Markt ist per Ende 2023 laut Pitchbook auf über USD 1.5 Billionen verwaltetes Vermögen angestiegen, mit einer stark wachsenden Anzahl an Anbietern.
Wie unterscheidet sich Private Debt von traditionellen Finanzierungsformen?
Im Gegensatz zu vielen Bankkrediten, oder sogar zu den meisten öffentlichen Anleihen, handelt es sich bei Private Debt um eine massgeschneiderte Transaktion zwischen dem Kreditgeber und dem Kreditnehmer. Das bedeutet, dass die Transaktion in Bezug auf die Preisstruktur, die Verpflichtungen und die Sicherheiten besser auf die Bedürfnisse von Kreditnehmer und Kreditgeber abgestimmt sind. Diese Flexibilität bietet auch die Möglichkeit, einen wirksamen Schutz für die Anlegerinnen und Anleger zu schaffen. Entscheidend ist, dass diese massgeschneiderten Konditionen zu niedrigeren Ausfall- und höheren Rückzahlungsquoten führen.
Unterscheidet sich Private Debt von den öffentlichen Anleihenmärkten?
Ein wesentlicher Unterschied ist die Verzinsung. Im Gegensatz zu traditionellen Anleihen weist Private Debt typischerweise eine variable Verzinsung auf. Dies bietet Anlegerinnen und Anlegern den Vorteil, dass bei steigenden Marktzinsen auch die Zinszahlungen ansteigen. Traditionelle Anleihen erleiden in einer solchen Marktsituation Kursverluste. Ein anderes Merkmal ist die Illiquiditätsprämie: Anlegerinnen und Anleger erhalten eine Zusatzrendite dafür, dass sie die Anleihe nicht täglich veräussern können, sondern bis zur Tilgung abwarten.
Private-Debt-Strategien im Überblick
Die verschiedenen Private-Debt-Strategien lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Kapitalerhaltungsstrategien, wie vorrangige Unternehmenskredite oder Finanzierung von Vermögenswerten (z.B. Musiklizenzen oder Flugzeuge), streben stabile Renditen an. Renditesteigerungsstrategien wie Mezzanine-Kredite oder notleidende Schulden (Englisch: Distressed Debt) streben höhere Renditen an, indem sie Eigenkapitalbeteiligungen einbeziehen.
Wie unterscheidet sich Private Debt von Private Equity?
Geht ein Unternehmen bankrott, haben im Liquidationsverfahren die Fremdkapitalgeber Vorrang vor den Aktionären. Dies führt zu mehr Rückzahlungssicherheit, aber auch zu geringeren Renditeaussichten für in Private Debt Investierte. Ein weiterer Unterschied ist die Kapitalbindung. Darlehensverträge umfassen eine begrenzte und vordefinierte Laufzeit (typischerweise drei bis fünf Jahre). Bis zum Ende der Laufzeit wird sowohl das einbezahlte Kapital als auch der Zins ausgezahlt. Das Verkaufsdatum von Aktien ist ungewiss und abhängig von einem Unternehmensverkauf.
Wie kann man in Private Debt investieren?
In die Anlageklasse wird typischerweise mittels geschlossener Fonds investiert. Anlegerinnen und Anleger, die mit Private-Equity-Investitionen vertraut sind, werden feststellen, dass Private-Debt-Fonds sehr ähnliche geschlossene Strukturen verwenden. Allerdings haben sie eine kürzere Laufzeit und eine kürzere Rückzahlungszeit als ihre Equity-Gegenstücke. Einige Fonds sind als Evergreen-Portfolios ohne Kapitalabrufe und Ausschüttungen strukturiert und bieten Investoren vierteljährlich beschränkte Liquidität. Wichtig ist zudem, dass Anlagen in Private Debt häufig einen professionellen MIFID-Status des Investierenden bedingen. Somit ist die Anlageklasse eher nur für Vermögende und Erfahrene offen.
Ein Wort zum Marktumfeld: Attraktivität von Private Debt?
Die Marktlage ist derzeit attraktiv. Es gibt vielversprechende Renditeerwartungen dank höherer Basiszinsen, steigender Kreditaufschläge und zunehmendem Refinanzierungsbedarf. Bei vorrangigen Krediten - dem konservativsten Teil des Private Debt Spektrums - gibt es derzeit Renditen im tiefen zweistelligen Prozentbereich. Bei risikoreicheren Private-Debt-Strategien werden sich die Renditen voraussichtlich ähnlich entwickeln wie bei Private Equity.
Die LGT und die Privatmärkte
Vor über 20 Jahren beschloss die Fürstenfamilie von Liechtenstein, Eigentümerin der LGT, den Erlös aus einem Unternehmensverkauf wie Stiftungsfonds amerikanischer Eliteuniversitäten anzulegen. Konkret investiert dieses Fürstliche Portfolio einen beträchtlichen Teil in Privatmarkt- und alternative Anlagen. Inzwischen können sich auch Kundinnen und Kunden der LGT beteiligen. Darüber hinaus bietet die LGT weitere Anlagemöglichkeiten in Private Markets an: zum Beispiel Private Equity, Private Debt oder Impact Investing.
Biografie
Oyvin Furustol ist seit 2015 für die LGT tätig und beschäftigt sich mit Privatmarktanlagen. Nach seinem Studium an der Universität Fribourg arbeitete er als Ökonom für die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich und anschliessend für eine Schweizer Grossbank in verschiedenen Positionen im Anlagebereich. In dieser Zeit absolvierte er auch die Ausbildung zum Chartered Financial Analyst (CFA).
