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Trump's gefährlicher Kampf gegen die Notenbank

Traditionell haben US-Präsidenten die Unabhängigkeit der Federal Reserve respektiert. Obwohl es in der Vergangenheit gelegentlich Meinungsverschiedenheiten über die Entscheidungen der US-Notenbank gab, liessen die Präsidenten der Fed in der Regel die Freiheit, langfristige Entscheidungen im besten Interesse der Wirtschaft zu treffen, auch wenn diese kurzfristig politisch unangenehm sein konnten.

 

Luca Carrozzo
Chief Investment Officer (CIO), Bank CIC (Schweiz) AG     

 

Im Gegensatz dazu verfolgt der aktuelle US-Präsident Donald Trump einen anderen Ansatz. Seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 hat er die Fed wiederholt öffentlich kritisiert. Er hat den Vorsitzenden Jerome Powell schon als "Idioten", "Dummkopf" und "grosse Katastrophe" bezeichnet. Zudem wirft er der Zentralbank vor, der US-Wirtschaft zu schaden, indem sie den Leitzins nicht schnell genug senkt.

Es ist bekannt, dass der US-Präsident ein Interesse an niedrigeren Leitzinsen hat und in diesem Kontext die Mitglieder der Federal Reserve unter Druck setzt. Donald Trump verfolgt dabei eine wiederkehrende Strategie. Zunächst erhöht er den Druck auf einzelne Fed-Mitglieder durch öffentliche Äusserungen. Anschliessend sucht seine Administration nach Gründen, um die Integrität dieser Mitglieder in Frage zu stellen. Im Fall von Jerome Powell äusserte er Vorwürfe bezüglich einer angeblichen milliardenschweren Renovierung des Fed-Hauptsitzes in Washington, die er als Betrug bezeichnete. Danach richtete sich seine Kritik gegen Fed-Mitglied Lisa Cook, der er vorwarf, in ihren Hypothekenunterlagen über ihren Hauptwohnsitz gelogen zu haben und dass sie dafür zur Rechenschaft gezogen werden müsse. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass diese Vorwürfe, ähnlich wie die gegen andere politische Gegner, bislang unbestätigt sind.

Die US-Notenbank hat sich bislang gegen die Forderungen von Donald Trump behauptet. Dennoch bietet jede Abkehr von Mitgliedern der Fed ihm die Möglichkeit, den politischen Einfluss auf den Ausschuss der Zentralbank zu erweitern. Trump lässt keinen Zweifel an diesem Vorhaben. Bei einer Kabinettssitzung erklärte er gegenüber Journalisten: „Wir werden sehr bald die Mehrheit innerhalb der Fed haben, und das wird grossartig sein“. Der Weg für Donald Trump, seine Einflüsse auf die Federal Reserve zu verstärken, könnte ab Mai 2026 geebnet sein, wenn die Zeit von Jerome Powell als Vorsitzendem der Fed endet. Obwohl seine Amtszeit als Fed Mitglied erst im Januar 2028 auslaufen würde, ist es üblich, dass scheidende Vorsitzende die Notenbank mit dem Ende ihrer Amtszeit ganz verlassen. Dies könnte Trump die Gelegenheit bieten seine Agenda innerhalb der Notenbank voranzutreiben.

Bislang zeigen sich die Finanzmärkte über diese Entwicklungen nicht allzu sehr besorgt. Solange der Zinsmarkt nicht negativ auf die Angriffe auf die Unabhängigkeit der Federal Reserve reagiert, gibt es aus Sicht der Trump Regierung keinen Anlass, ihre Haltung zu ändern. Allerdings könnte sich dies schnell ändern. Trumps Angriffe auf die Integrität der Notenbank könnten langfristige Auswirkungen haben. Es ist nicht abwegig, Vergleiche zu autoritären Führern in Schwellenländern zu ziehen. So hat beispielsweise der türkische Präsident Erdoğan versucht, die Geldpolitik nach seinen Vorstellungen zu beeinflussen, was letztlich das Vertrauen in die Wirtschaftspolitik seines Landes zerstört hat, die Heimwährung abgewertet hat und die Konsumentenpreise stark ansteigen liess.

Man darf nicht vergessen, dass die tägliche Zinslast der USA für ihre Staatsverschuldung laut aktuellen Schätzungen bei etwa USD 2.5 Milliarden liegt. Diese immense Summe resultiert aus einer enormen Staatsverschuldung von über USD 36 Billionen und stellt mittlerweile einen wesentlichen Posten im US-Bundeshaushalt dar. Sollte das Vertrauen der Anleger in die Unabhängigkeit der US-Notenbank schwinden, könnte dies die Refinanzierungskosten für die USA erheblich erhöhen und den Haushalt noch weiter in Schieflage bringen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es zwar Zeit benötigt, um die Glaubwürdigkeit einer Institution wie der Federal Reserve zu untergraben, die Folgen eines Vertrauensverlusts haben jedoch das Potential Schockwellen zu erzeugen. Konkret steht die Stabilität der grössten Wirtschaftsmacht des Planeten auf dem Spiel und damit auch das Vertrauen in ein ganzes Finanzsystem. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, die Integrität und Unabhängigkeit der Federal Reserve zu wahren, um langfristige wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten.

 

 

Biografie

Luca Carrozzo ist als CIO verantwortlich für die Anlagepolitik der Bank CIC. Der diplomierte ESG-Analyst (AZEK) hat einen eidgenössischen Fachausweis in Wealth Management (AZEK) und ist seit 2009 für die Bank CIC tätig, unter anderem im Portfolio Management und Advisory. Seit 2017 gehört er dem Anlageausschuss der Bank an. Im Auftrag der Bank CIC arbeitete er ausserdem von 2019 bis 2021 im Investment Advisory der Banque Transatlantique in London.