Zurück auf Feld eins – erfolgreiches Anlegen bei Negativzinsen
Erinnern Sie sich noch, wie gesagt wurde, dass die im Januar 2015 von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) eingeführten Negativzinsen bloss eine temporäre Notfallmassnahme zur Bekämpfung der Frankenüberbewertung seien? Die Notfallmassnahme hielt fast acht Jahre an und wurde erst aufgehoben, als die Inflationsraten 2022 aufgrund der pandemiebedingten Lieferkettenunterbrüchen weltweit durch die Decke schossen.
![]() | Michael Bolliger UBS Global Wealth Management, Chief Investment Officer Emerging Markets |
![]() | Dr. Daniel Kalt UBS Chief Economist Switzerland |
Nur drei Jahre danach ist eine Rückkehr zu negativen Zinsen durchaus realistisch. Zwar hat die SNB an ihrer jüngsten geldpolitischen Lagebeurteilung den Leitzins «nur» um 25 Basispunkte auf 0 Prozent gesenkt. In diversen Interviews haben die Währungshüter zudem vor den Konsequenzen negativer Zinsen gewarnt. Gleichzeit muss aber auch gesagt werden, dass die SNB ihre Inflationsprognosen unlängst weiter nach unten revidiert hat. Auch hier mit dem Hinweis, dass es sich nur um eine temporäre Änderung handle und die mittelfristige Preisstabilität nicht gefährdet sei.
Vieles hängt nun davon ab, wie sich der Aussenwert des Schweizer Frankens auf die monetären Bedingungen in der Schweiz auswirkt. Dabei dürfte für die SNB der EURCHF-Kurs entscheidender sein als jener von USDCHF. Das Gros der Schweizer KMUs ist eher gegenüber dem Euro als gegenüber dem US-Dollar exponiert. Sollte EURCHF unter 90 Rappen fallen, würde die SNB ihren Leitzins wohl erneut in den negativen Bereich führen.
Unabhängig davon müssen sich hiesige Anlegerinnen und Anleger wohl auf eine Phase äusserst tiefen Renditen im festverzinslichen Bereich vorbereiten. Anleihen in Fremdwährungen, vor allem im US-Dollar, versprechen zwar höhere Renditen, bergen aber ein Wechselkursrisiko, das unseres Erachtens Anleger vermehrt dazu verleitet, trotz hoher Kosten Absicherungsmassnahmen vorzunehmen. Momentan ist nicht absehbar, dass die Trump-Regierung ihren wirtschaftspolitischen Kurs wesentlich ändern wird. Ein weiterer Vertrauensverlust ist nicht ausgeschlossen. Die mögliche Folge wäre eine weitere Dollarabschwächung.
Anleger müssen daher prüfen, wie viel Liquidität tatsächlich nötig ist, um die negativen Kosten der Tiefzinspolitik zu minimieren. Zweitens müssen sie innerhalb des Portfolios die erwartete Rendite in Einklang mit den aktuellen Risiken bringen.
Da Bargeld kaum Erträge bringt und die Inflation die Kaufkraft langfristig untergräbt, sollten Anleger erwägen, überschüssige Barmittel in ertragsorientierte Strategien zu investieren. Wir bevorzugen verschiedene Ansätze, um ein Kernportfolio mit Aktien- und aktiennahen Strategien zu komplementieren:
Aktienstrategien in Kombination mit Optionen
Schweizer Dividendenaktien bieten attraktive Renditen: Der SMI weist derzeit eine durchschnittliche Dividendenrendite von 3,2 Prozent auf (gegenüber dem historischen Durchschnitt von 2,4 Prozent seit 2004) und liegt damit über den meisten Renditen von CHF-Anleihen. In den letzten 30 Jahren haben Dividenden mehr als die Hälfte der Gesamtrendite des SPI ausgemacht. Solche Unternehmen verfügen in der Regel über solide Bilanzen und stabile Erträge, was ihre Dividenden in Rezessionen widerstandsfähiger macht.
Anlagen in Dividendenaktien können über global oder national diversifizierte Portfolios oder Fonds erfolgen, die einen Fokus auf Unternehmen mit verlässlichem Dividendenwachstum, starke Dividendenzahler und hochwertige Dividendenwerte legen.
Strategie mit strukturierten Optionen
Zu den Strategien mit strukturierten Optionen gehören beispielsweise Instrumente wie Reverse Convertibles, die Anlegern ermöglichen, während dem Warten auf günstigere Einstiegspunkte Erträge zu generieren. Fällt der Basiswert unter eine bestimmte Schwelle, erhalten Anleger am Laufzeitende statt Kapital den zugrunde liegenden Vermögenswert. Diese Strategie eignet sich für Anleger, die regelmässige Erträge suchen und ein defensives Aktienengagement aufbauen möchten. Allerdings bestehen Risiken wie Emittentenausfall und eingeschränkte Liquidität.
Absicherung durch defensive Anleihen
Defensive Anleihen bieten auch im aktuellen Umfeld interessante Eigenschaften für ein diversifiziertes Portfolio. Einerseits sind die Renditen, gerade im US-Dollar oder auch in ausgewählten Schwellenländerwährungen, attraktiv. Viele Zentralbanken haben andererseits noch Spielraum für Zinssenkungen. So dürfte die Fed die Zinsen energisch reduzieren, wenn eine US-Rezession wahrscheinlicher wird. Das aktuelle Zinsdifferenzial dürfte hiesige Anleger auch teilweise für weitere allfällige Wechselkursverluste entschädigen.
Alternative Anlagen
Viele Alternative Anlagen, wie Gold, Hedge Funds, Immobilien, oder Privatmarktanlagen, bieten attraktive Renditen und dienen als Portfoliodiversifikator. Wir erwarten, dass anhaltende Anlagen in Gold den Kurs nach oben treiben. Unsere Prognose für das Jahresende liegt bei 3500 USD pro Unze. Krisen wie der momentane Konflikt im Nahen Osten können aber auch zu einem schnelleren Preisanstieg führen. Zudem beobachten wir, dass Preisrückgänge in den letzten Jahren nur von kurzer Dauer waren. Auch bei Hedge Funds profitieren viele Manager von der anhaltenden Volatilität, die es ihnen erlaubt, stabile, unkorrelierte Erträge zu erzielen. Die Integration alternativer Anlagen in ein Portfolio ist daher unserer Meinung nach unabdingbar.
Bargeld kann in Zeiten hoher Volatilität und in einem unsicheren Umfeld ein falsches Gefühl von Sicherheit vermitteln. Da die Leitzinsen bei null liegen, sind die Opportunitätskosten von Bargeld für Schweizer Anleger besonders hoch. Die oben aufgeführten Ansätze erlauben es, ein bestehendes Kernportfolio erfolgreich zu optimieren, ohne dabei grosse zusätzliche Risiken einzugehen. Wer überschüssige Liquidität schrittweise in eine Mischung aus Aktien, Anleihen, und alternativen Anlagen investiert, senkt zudem das Risiko schlechten Timings.
Biografien
Michael Bolliger ist Chief Investment Officer für globale Schwellenmärkte bei UBS Global Wealth Management. Zusammen mit seinem Team erstellt er die UBS House View für Schwellenmarkt-Assetklassen, taktische als auch strategische Anlageempfehlungen, detaillierte Analysen zu individuellen Anleihen, Währungen und Aktien sowie thematische Investmentempfehlungen. Er reist regelmäßig in verschiedene Entwicklungsländer und berät das UBS-Management umfassend zur wirtschaftlichen und politischen Lage in diesen Märkten. Vor seiner Tätigkeit bei UBS war Michael Ökonom bei der Schweizerischen Nationalbank in Zürich und der spanischen Zentralbank in Madrid. Außerdem war er Dozent an der Universität St. Gallen, wo er Mikroökonomie, Mathematik und experimentelle Wirtschaftslehre unterrichtete. Michael Bolliger konzentrierte sein Studium auf Wirtschaftswissenschaften, quantitative Methoden, Finanzmärkte und experimentelle Wirtschaftslehre. Er promovierte 2010 in Wirtschaftswissenschaften an der Universität Basel. Davor studierte er an der Universität St. Gallen und der WITS Business School in Johannesburg, Südafrika.
Daniel Kalt schloss 1996 an der Universität Zürich sein Studium der Volkswirtschaftslehre ab und promovierte danach im Jahr 2000 an der Universität Bern ebenfalls in Volkswirtschaft sowie Ökonometrie. Er trat 1997 als Ökonom für die Schweizer Wirtschaft in den Forschungsbereich von UBS ein wo er in der Folge verschiedene Stationen in leitender Position durchlief. 2010 wurde Daniel Kalt zum Chefökonom Schweiz ernannt. In dieser Funktion ist er verantwortlich für sämtliche Research-Produkte für die UBS Switzerland AG, tritt an zahlreichen Kundenveranstaltungen als Referent auf und berät die Geschäftsleitung in wirtschaftspolitischen Fragen.

