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Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Finanzbranche: Chancen, Risiken und zukünftige Entwicklungen

Die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) in den letzten Jahren hat tiefgreifende Auswirkungen auf zahlreiche Wirtschaftszweige. Insbesondere seit der Einführung generativer KI-Anwendungen, wie etwa ChatGPT, ist das Thema weit über Fachkreise hinaus in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Am Schweizer Finanzplatz eröffnen sich durch den Einsatz von KI beträchtliche Potenziale, beispielsweise in der Optimierung von Geschäftsprozessen, der Verbesserung von Entscheidungsfindungen und der Steigerung der Effizienz.

 

Urgent Azizi 
Leiter IT Audit & Advisory Financial Services,                   
BDO Schweiz

 

Auf der anderen Seite bringt dieser technologische Fortschritt auch neue rechtliche Fragen mit sich. Die oft nicht nachvollziehbare Funktionsweise moderner KI-Systeme sorgt für erhebliche Verunsicherung bei den Finanzinstituten. Nach wie vor bestehen grundsätzliche Bedenken in Bezug auf den Datenschutz und die Sicherheit kritischer Daten. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie sich der Einsatz von KI in der Finanzbranche zukünftig gestalten wird.

Erfahrungsberichte aus der Branche zeigen, dass zahlreiche Finanzinstitute bereits KI in ihren täglichen Geschäftsabläufen nutzen, teils bewusst, teils unbewusst, obwohl weiterhin Bedenken hinsichtlich der Technologie bestehen. Diese Beobachtungen spiegeln sich in den Umfrageergebnissen der FINMA, wonach die meisten Institute KI zunächst in risikoarmen Einsatzbereichen testen. Gleichzeitig haben einige Unternehmen bereits fortgeschrittene Anwendungen implementiert, die entsprechende Risikomanagement-Prozesse erfordern.

 

Anwendungsbereiche der KI bei Finanzinstituten

Bei Finanzinstituten lassen sich derzeit verschiedene zentrale Anwendungsbereiche identifizieren, in denen KI massgeblich zur Optimierung und Sicherung von Geschäftsprozessen beiträgt. Ein Beispiel hierfür ist die KI-gestützte Transaktionsüberwachung, bei der moderne Technologien eingesetzt werden, um verdächtige Transaktionen zu erkennen. Dabei kommen Algorithmen zum Einsatz, die in der Lage sind, neue, bislang unbekannte Muster zu identifizieren, die herkömmlichen, regelbasierten Systemen oft übersehen.

Ebenso spielt KI in der Cybersicherheit eine zunehmend wichtige Rolle. Angesichts der dynamischen Bedrohungslage werden fortschrittliche KI-Algorithmen verwendet, um Cyberangriffe frühzeitig zu identifizieren und potenzielle Eindringlinge zu erkennen. Dies ermöglicht es den Instituten, Sicherheitsrisiken schneller zu adressieren und präventive Massnahmen zu ergreifen.

Im Bereich der Kundeninteraktion setzen Finanzinstitute vermehrt auf KI-basierte Chatbots, die den Kunden bspw. eine intuitive Kontoverwaltung ermöglichen. Über diese KI-Systeme können beispielsweise Debitkarten aktiviert oder gesperrt, Kreditlimits überprüft und Transaktionen gezielt nach Datum, Betrag oder Art gefiltert werden, was den manuellen Aufwand erheblich reduziert.

Darüber hinaus findet KI in Bereichen Anwendung, in denen unkomplizierte Effizienzgewinne erzielt werden können, wie bei Übersetzungen, in der automatisierten Dokumentation und bei der Unterstützung der Texterstellung.

Abschliessend zeigt sich auch im Segment der Finanzberatung ein wachsender Trend hin zu KI-gestützten Finanzberatern. Diese analysieren umfangreiche Finanzdaten in Echtzeit, leiten massgeschneiderte Anlageempfehlungen ab, identifizieren Markttrends, bewerten individuelle Risikoprofile und optimieren Portfolios kontinuierlich. Dadurch wird eine datenbasierte und personalisierte Entscheidungsfindung ermöglicht.

Diese Entwicklungen unterstreichen, wie KI-Technologien als Katalysator für Innovationen im Finanzsektor fungieren und gleichzeitig zur Verbesserung der Sicherheit, Effizienz und Kundenzufriedenheit beitragen.

 

Regulierungsansatz in der Schweiz

Der Regulierungsansatz in der Schweiz, wie er in den KI-Leitlinien des Bundesamts für Kommunikation formuliert wird, zielt darauf ab, den verantwortungsvollen und transparenten Einsatz von KI zu fördern und gleichzeitig Innovationen voranzutreiben. Die Leitlinien betonen die Notwendigkeit eines ausgewogenen Rahmens, der technologische Entwicklungen unterstützt und dabei ethische Grundsätze, Datenschutz sowie Sicherheitsaspekte berücksichtigt. Insbesondere wird gefordert, dass KI-Systeme nachvollziehbar und sicher implementiert werden, um das Vertrauen von Nutzern und Marktteilnehmern zu stärken. So wird die KI-Konvention des Europarats ins Schweizer Recht integriert, um eine harmonisierte und klare Grundlage zu schaffen. Gesetzliche Anpassungen sollen dabei möglichst sektorbezogen erfolgen, sodass eine allgemeine, sektorübergreifende Regulierung auf zentrale, grundrechtsrelevante Bereiche wie den Datenschutz beschränkt bleibt. Ergänzend zur Gesetzgebung werden zudem rechtlich nicht verbindliche Massnahmen erarbeitet, die beispielsweise in Form von Selbstdeklarationsvereinbarungen oder branchenspezifischen Lösungen umgesetzt werden können.

Die Ansätze beruhen auf den folgenden vier Basisanalysen: einer Länderanalyse zu regulatorischen Entwicklungen in 20 relevanten Staaten; einer rechtlichen Analyse der Vorgaben der Europarats-KI-Konvention, des Europäischen AI Acts und der Aktualität schweizerischer Rechtsgebiete; einer sektoralen Analyse zu bundesrechtlichen Änderungen in verschiedenen Sektoren sowie einer wirtschafts- und europapolitischen Einschätzung, die den Handlungsbedarf im KI-Bereich aufzeigt.

 

Erwartungen der FINMA

Die FINMA macht in ihrer Aufsichtsmitteilung 08/2024 deutlich, dass Finanzinstitute eine strukturierte und risikobewusste Nutzung von KI sicherstellen müssen. Da es in der Schweiz keine spezifische KI-Regulierung gibt, gelten die allgemeinen Prinzipien des Finanzmarktrechts. Institute sind verpflichtet, eine klare Governance-Struktur zu etablieren, KI-Anwendungen systematisch zu erfassen und Verantwortlichkeiten zu definieren. Neben Datenschutzrisiken betont die FINMA insbesondere die Herausforderungen im Bereich Modellrobustheit, Bias und Erklärbarkeit.

Ein zentrales Anliegen ist die Qualität der verwendeten Daten, da fehlerhafte oder verzerrte Informationen unerwartete Risiken mit sich bringen können. Deshalb fordert die FINMA klare Vorgaben zur Datenkontrolle sowie regelmässige Tests, um die Genauigkeit und Stabilität von KI-Modellen zu gewährleisten. Kritisch bewertet sie zudem mögliche Datendrifts und unzureichende Modellüberwachung.

Unternehmen müssen eine nachvollziehbare Dokumentation sicherstellen und KI-Entscheidungen so erklären können, dass sie für Kunden, Mitarbeitende und Aufsichtsbehörden verständlich sind. Darüber hinaus ist eine unabhängige Überprüfung der Modelle erforderlich, um Schwachstellen frühzeitig zu identifizieren und zu beheben.

Die FINMA betont, dass sie ihre Erwartungen an den KI-Einsatz fortlaufend anpassen und sich dabei an internationalen Standards orientieren wird.

 

Handlungsempfehlungen

Der gezielte Einsatz von KI wird in Zukunft einen entscheidenden Erfolgsfaktor für die Finanzindustrie in der Schweiz darstellen. Finanzinstitute müssen sich dieser Entwicklung bewusst sein und die Chancen, die KI bietet, aktiv nutzen, um im Wettbewerb nicht ins Hintertreffen zu geraten. Gleichzeitig sind jedoch innerhalb der Institute adäquate Strukturen zu etablieren, die eine sichere, regelkonforme und verantwortungsvolle Nutzung dieser Technologie gewährleisten.

Gemäss der allgemeinen Auffassung in der Industrie, bei Regulierungsbehörden sowie in der Wissenschaft wird erwartet, dass KI-Technologien tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen werden. Weder Unternehmen noch Einzelpersonen können sich diesen Entwicklungen entziehen. Es ist daher essenziell, sich aktiv mit dieser disruptiven Technologie auseinanderzusetzen, Chancen und Risiken sorgfältig abzuwägen und eine strategische Implementierung anzustreben. Ein bewusster und strukturierten Einsatz von KI stellt sicher, dass ihr Potenzial langfristig zum Unternehmenserfolg beiträgt.

 

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt. Die Informationen basieren auf unsere Markperspektive sowie öffentlich zugänglichen Quellen sowie regulatorischen Vorgaben.

 

 

Biografie

Urgent Azizi ist seit über einem Jahrzehnt als Berater für IT und operationelle Risiken tätig, mit einem klaren Fokus auf Informationssicherheit, IT-Risiken und Stärkung der Resilienz im Finanzsektor. In seiner Laufbahn hat er zahlreiche Finanzinstitute, darunter global systemrelevante Banken (G-SIBs) und systemrelevante Banken in der Schweiz, bei der Umsetzung und Prüfung von regulatorischen Anforderungen in den Bereichen IT, Informationssicherheit und Resilienz begleitet. Urgent Azizi leitet derzeit den Bereich IT Audit & Advisory Financial Services bei BDO Schweiz. In dieser Funktion unterstützt er Kunden strategisch und operativ bei der Bewältigung komplexer Herausforderungen in den Bereichen Cybersecurity, IT-Compliance, operationelle Risiken und digitale Resilienz.

 

Quellenverzeichnis

  • Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) (2024). Aufsichtsmitteilung 08/2024 – Governance und Risikomanagement beim Einsatz Künstlicher Intelligenz. Bern: FINMA.
  • Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) (2024). Leitlinien für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Schweiz. Bern: BAKOM.
  • Europarat (2024). KI-Konvention – Rechtsrahmen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Europa. Straßburg: Europarat.
  • Europäische Kommission (2023). Artificial Intelligence Act (AI Act) – Regulierung von Künstlicher Intelligenz in der EU. Brüssel: Europäische Kommission.
  • Financial Stability Board (FSB) (2024). The Financial Stability Implications of Artificial Intelligence. Basel: Bank for International Settlements (BIS).
  • OECD (2024). Explanatory Memorandum on the Updated OECD Definition of an AI System, OECD Artificial Intelligence Papers, No. 8. Paris: OECD Publishing.