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Interview

Das Wort hat Vivien Jain, seit dem 1. Januar Geschäftsführerin des VSV, die uns ihre ersten Eindrücke seit Amtsantritt schildert.

Vivien Jain, Geschäftsführerin, VSV                                           

Interview von Annick Weizman VSV | ASG

 

Können Sie uns über Ihren beruflichen Werdegang berichten und insbesondere darüber, was Sie in den Bereich der Vermögensverwaltung geführt hat?

In die Finanzbranche bin ich vor 15 Jahren als Juristin beim Wirtschaftsprüfungsunternehmen PwC eingestiegen. Dort habe ich u.a. für Banken und Vermögensverwalter Prüfungen im Bereich der Einhaltung von regulatorischen Vorgaben (u.a. Geldwäscherei und Standesregeln) durchgeführt sowie Beratungsdienstleistungen erbracht. Bei den Vermögensverwaltern waren dies damals noch SRO-Prüfungen (bevor mit Inkrafttreten von FINIG die Aufsichtsorganisationen eingeführt wurden). Meinen ersten Berührungspunkt mit der Welt der Finanzen hatte ich jedoch bereits einige Jahre zuvor, also ich während meines Studiums für die Polizei im Bereich Wirtschaftsdelikte arbeiten durfte. Das hat mein Interesse an diesem Bereich geweckt. Ich habe im Laufe meiner Tätigkeit aber gemerkt, dass mich die Business-Seite sowie die damit zusammenhängende unterstützende Tätigkeit mehr anspricht.
Deshalb bin ich 2014 zur Aquila gewechselt und hatte damals die perfekte Schnittstelle zwischen klassischer Legal & Compliance Tätigkeit sowie business-orientierter Unterstützung. 2021 habe ich den Vorsitz der Geschäftsleitung übernommen, was mir nochmals neue und umfassendere Perspektiven im Vermögensverwaltungsgeschäft gab. Während der letzten 11 Jahre hatte ich das Privileg, viele Vermögensverwaltungsgesellschaften auf ihrem Weg in die Selbständigkeit zu begleiten, was für mich rückblickend zu den schönsten und prägendsten Tätigkeiten meiner Karriere gehörte. 

 

Was sind die Hauptstärken des Verbands Schweizerischer Vermögensverwalter | VSV? Wie sehen Sie seine zukünftige Entwicklung?

Die Vermögensverwaltung ist für mich persönlich eine Königsdisziplin und eine grosse Stärke des Schweizer Finanzplatzes. Der Verband setzt sich in erster Linie für die Interessen der Vermögensverwalter ein, was eine sehr wichtige und bedeutende Aufgabe ist. Als Dachverband mit seinen rund 800 Mitgliedern hat er losgelöst von jeglicher Aufsichtstätigkeit den grossen Vorteil, sich national und mit grosser Reichweite für die Branche einzusetzen und etwas zu bewirken. 

Seit der Verband mit Inkrafttreten von FINIG keine Aufsichtsfunktion mehr hat, kann er sich nun noch mehr auf die Bedürfnisse seiner Mitglieder fokussieren. Der Verband agiert dabei neben der Interessenvertretung auch als «Dienstleister» für die Vermögensverwalter. Künftig wird er seine Mission der Unterstützung, Vertretung und Weiterbildung des Berufsstands weiterführen und auch weiterentwickeln. Der Verband verfügt bereits heute über kompetente juristische und fachliche Unterstützung für die Vermögensverwalter sowie über ein Netzwerk mit verschiedenen Partnern. Der Verband wird in den nächsten Jahren sein Angebot in diesen Bereichen kontinuierlich ausbauen.

 

Welche sind Ihrer Meinung nach die grössten Herausforderungen, denen sich die Branche in den kommenden Jahren stellen muss?

Die Herausforderungen der Branche sind vielfältig und entwickeln sich ständig weiter.
Gerade die kontinuierliche Weiterentwicklung der Regulierung stellt eine doppelte Herausforderung dar – sowohl für den Verband als auch für die Vermögensverwalter. Für den VSV bedeutet dies, einen pragmatischen regulatorischen Rahmen für Kleinstunternehmen aufrechtzuerhalten, und für die Vermögensverwalter, diese Änderungen fortlaufend umzusetzen. Auch die Zusammenarbeit mit den Depotbanken erfordert im Rahmen der neuen Regulierung laufend Anpassungen.

Aus interner Sicht stehen Vermögensverwalter vor der Herausforderung, ihre Kundschaft aufrechtzuerhalten sowie auch zu erweitern und dadurch Zugang zu neuen Märkten zu erhalten. Die Einführung neuer Finanzinstrumente und Technologien bietet hier Chancen. Schliesslich wirft die NextGen-Thematik – sei es im Hinblick auf die zukünftige Kundengeneration oder die eigene Nachfolgeregelung  – zunehmend Fragen für die Vermögensverwalter auf. Es gilt deshalb besonders bei der eigenen Nachfolge, frühzeitig neue Talente zu finden und auch zu motivieren. Ein Unternehmer oder eine Unternehmerin entsteht nicht im Lehrbuch, sondern es bedarf dazu einer besonderen Persönlichkeit. Der Prozess der Nachfolge ist eine Herausforderung, wobei das Netzwerk des Verbands ein grosser Vorteil sein kann.

 

Welche Botschaft möchten Sie den Mitgliedern des Verbands zu Beginn des Jahres 2026 mitgeben?

Ich freue mich sehr darauf, den Verband und dessen Tätigkeiten weiterzuentwickeln und noch stärker auf die Bedürfnisse der Vermögensverwalter auszurichten. Der Verband soll seine Mitglieder künftig noch umfassender bei der Ausübung ihrer Tätigkeit unterstützen und deren erste Anlaufstelle sein. Des Weiteren ist mir die Vertretung der Branche ein grosses Anliegen, um sich für eine pragmatische Umsetzung von neuen regulatorischen Vorgaben für die Vermögensverwalter einzusetzen. Der Fokus jeder Vermögensverwaltung sollte auf dem Kerngeschäft und nicht auf regulatorischen Themen sein, weshalb die Unterstützung des VSV in diesem Bereich oft unerlässlich ist.