36 denaris
02 | 2014
energiewende
«Carbon Bubble will plunge the world into
another financial crisis», berichtet die Tages-
zeitung The Guardian im April 2013. Tausen-
de Milliarden stünden auf dem Spiel, wenn
grosse Teile der ausgewiesenen Reserven an
fossilen Energien aus Klimaschutzgründen
für immer im Boden bleiben sollten. Seither
sind weitere Artikel mit ähnlich alarmieren-
den Tönen zu diesem Thema erschienen.
Verschiedene Organisationen aus der Finanz-
welt wie beispielsweise die Grossbank HSBC
weisen auf die Risiken hin.
Der riskante Poker mit Öl,
Gas und Kohle
Georg Klingler, Energieexperte von Greenpeace
Viele Investoren weltweit setzen auf Konzerne mit fossilen Rohstoffreserven.
Angesichts der Klimaerwärmung ist das eine riskante Strategie:
Die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen sinkt, die «Carbon Bubble»
könnte also platzen – und eine Finanzkrise auslösen.
Investoren werden aktiv
Den Warnungen sind auch Taten gefolgt: Die
Financial Times berichtete im Oktober 2013,
dass eine Gruppe von Investoren mit einem
verwalteten Vermögen von rund 3000 Milli-
arden Dollar in einem offenen Brief die welt-
grössten Öl-, Gas- und Kohlekonzerne auf-
gefordert hat, sich auf einen Rückgang der
Nachfrage nach fossilen Energien vorzu-
bereiten. Eine ganze Reihe von Institutio-
nen, darunter Pensionskassen, Städte, Ban-
ken, Hochschulen, Kirchen und verschiedene
Stiftungen, haben den Rückzug von Investi-
tionen in fossile Energien angekündigt. Laut
Morning Star ist dieser Schritt ohne Rendite-
einbussen möglich.
Den Grundstein der Debatte legte der viel
beachtete Bericht der «Carbon Tracker»-Ini-
tiative mit dem Titel «Unburnable Carbon».
Der Bericht zeigt, dass die Ausbeutung und
Nutzung der ausgewiesenen Reserven an
fossilen Brennstoffen der weltweit grössten
Konzerne zu CO
2
-Emissionen führen würde,
die das noch verbleibende CO
2
-Budget einer
2-Grad-Klimapolitik um das Fünffache über-
steigen. Es besteht also eine riesige Kluft
zwischen der Bewertung der Konzerne und
der Absicht von 194 Staaten der UN-Klima-
rahmenkonvention, die Klimaerwärmung auf
maximal 2 °C (gegenüber dem Niveau vor
Beginn der Industrialisierung) zu begrenzen.
Wenn sich die Staaten durchsetzen, dann sit-
zen die Konzerne und ihre Investoren auf ei-
nem Berg unverbrennbarer und damit wert-
loser Rohstoffreserven.
Klimaerwärmung als grösstes Umweltrisiko
Mit der Klimaerwärmung, deren zunehmend
sichtbaren Folgen sowie der Verfügbarkeit
alternativer Technologien steigt die Wahr-
scheinlichkeit, dass politische Regulierungen
© iStockphoto
Sollten sich die UN-
Staatengemeinschaft
oder einzelne Länder
auf eine 2-Grad-Klima-
politik festlegen, würde
die Nachfrage nach
fossilen Brennstoffen
erheblich sinken.
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