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Vergütungen und Anreize von Dritten

Ausgangslage

 | Mit Urteil vom Oktober 2012 präzisierte das Bundesgericht seine Praxis zum Thema Vergütungen von dritter Seite in der Vermögensverwaltung. Es stellt klar, dass auch Vertriebsentschädigungen und Bestandespflegekommissionen, die Banken für den Vertrieb von Anlagefonds und strukturierten Produkte von Anbietern erhalten, grundsätzlich dem Kunden zustehen.

 

Status

 | Für den Bereich der unabhängigen Vermögensverwaltung hatte das Bundesgericht bereits in den Jahren 2006 und 2011 entschieden, dass Vergütungen, die der Vermögensverwalter von dritter Seite erhält, grundsätzlich dem Kunden zustehen. Kunden können nur dann auf Retrozessionen verzichten, wenn sie im Voraus vollumfängliche über die Höhe der Zahlung informiert wurden.

 

Beobachtung

 | Das jüngste Urteil wird aller Wahrscheinlichkeit nach weitereichende Auswirkungen in Bezug auf Fragen um Vergütungen im Zusammenhang mit Finanzdienstleistungen haben. Dies vor allem, aber nicht nur, für hochintegrierte Finanzdienstleistungskonzerne, die in der Vermögensverwaltung stark auf hauseigene Produkte abstellen. Was die Rechenschaftspflicht der Vermögensverwalter bezüglich Zahlung, Empfang und Höhe von Provisionen betrifft, sind für die FINMA nach wie zu viele Fragen offen. Die Aufsichtsbehörde sieht daher gesetzgeberischen Bedarf. Sie schlägt in ihrem Positionspapier zum Vertriebsbericht vor, Retrozessionen im künftigen Finanzdienstleistungsgesetz zu regeln. Die unabhängigen Vermögensverwalter werden sich – falls die gängige Retrozessions- Praxis beibehalten wird– mit dem Gedanken auseinander setzen müssen, ob sie gegebenenfalls auf die Bezeichnung der «Unabhängigkeit» verzichten wollen.